Die Fahrt in der Gefangenenbahn hat uns neugierig gemacht, und so haben wir dem Gefängnis einen Besuch abgestattet.

Heute residiert dort ein Museum, das zur Geschichte der Stadt, der Region, Gefängnissen allgemein und der Antarktis eine Vielzahl von eher textlastigen Erklärungstafeln und mit Liebe zum Detail nachgebauten Schiffsmodellen zeigt. Außerdem gibt es noch eine Kunstausstellung und einen vom Total-Konzern bezahlten und offensichtlich von dessen PR-Abteilung gestalteten Bereich zu Pinguinen und der regionalen Öl- und Gasförderung.

Was wir allerdings vermisst haben, war ein Konzept. Die ehemaligen Zellen dienen als Ausstellungsräume und sind grob thematisch gegliedert, ein Trakt ist unrenoviert erhalten geblieben, sodass man sich vorstellen kann, wie trostlos und karg das Leben der Insassen gewesen sein muss. Zwischen einigen Zellen mit Schautafeln über Gefängnisse anderer Länder, bei denen sich der Eindruck aufdrängt, dadurch den eigenen Umgang mit den Häftlingen zu relativieren, finden sich dann auf einmal zwei Zellen zur lokalen Feuerwehr und deren Fahrzeugen am örtlichen Flughafen. Gegenüber werden Antarktis-Expeditionen beschrieben, dazwischen eine Zelle mit Militäruniformen und ein Raum mit einer Funkausrüstung nebst Telex-Gerät.

Wie inhuman der Gefängnisalltag gewesen sein muss, kann man am ehesten aus den Gesichtern der Häftlinge auf den vielen Schwarz-Weiss Fotos schließen und zwischen den Zeilen der Erklärungstafeln lesen. Gefangene sollten ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft abarbeiten, indem sie als billige Arbeitskräfte die Besiedlung der Gegend ermöglichten. Als humane Reform galt, dass in späteren Jahren die Gefangenen nicht mehr nur mit ihren Nummern aufgerufen wurden, sondern namentlich. Außerdem erhielt jeder Gefangene für seine Arbeit (sehr wenig) Geld, sodass man nach fünfunddreißig Jahren Haft zwar wahrscheinlich körperlich am Ende, aber nicht völlig mittellos war. Vermutlich wird das Geld gerade gereicht haben, das baldige Begräbnis zu bezahlen.

Wer sich also vom nicht vorhandenen Museumskonzept nicht abschrecken lässt, findet in diesem Museum durchaus viele interessante Informationen.

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