Da kommt man hier nach Ushuaia und rechnet mit Schnee und Minusgraden und was ist: Sommer pur, sodass wir heute Morgen direkt nochmal die Sonnencreme auspacken mussten. Natalia, unsere Gastgeberin, sagte auch schon mit ungläubigem Gesichtsausdruck, dass das Wetter eher ungewöhnlich sei – es gäbe in Ushuaia normalerweise vielleicht drei solcher schönen Tage im Jahr. Zwei davon haben wir jetzt jedenfalls schon miterlebt. Wunderbar!

Gestern, auf unserem Trip zum Ende der Welt, hätten wir uns fast etwas mehr Wind gewünscht. Es war so warm, während wir am Ufer des Beagle Kanals entlang gelaufen sind … aber wunderschön. Morgens um 9:00 sind wir mit dem Bus zur Station des “Tren del Fin del Mundo” gebracht worden, ein historisches Bummelbähnchen mit Dampflok, welches tausende von Touris täglich in gefühlten 10 km/h in den Nationalpark Tierra del Fuego fährt. Für unseren Geschmack etwas zuuuuu touristisch, aber man muss es einfach gemacht haben – immerhin wurden mit dieser “Sträflingsbahn” vor guten 100 Jahren noch die Gefangenen aus Ushuaia (die Stadt war damals Strafkolonie) in das Gebiet des heutiges Parks gebracht und durften dort Bäume fällen bis zum Umfallen, um ausreichend Brennholz zur Elektrizitäts- und Wämeversorgung in der Stadt zu gewinnen. Ob Winter oder Sommer war dabei egal, selbst im tiefsten Schnee schickte man die Gefangenen in den Wald. Zu welcher Jahreszeit welche Bäume gefällt wurden, ist heute noch zu sehen: In der warmen Jahreszeit sind die Baumstümpfe wesentlich kürzer als in der kalten, wo meterhoher Schnee es schlichtweg unmöglich machte, die Bäume weiter unten abzuholzen.

All das wurde uns während der 45-minütigen Fahrt erklärt, bevor der Zug seine Endstation erreichte. Von dort aus waren es noch gute 15 Minuten, bis wir an der Bahia Ensenada waren, um uns unseren Passstempel abzuholen. Wir ahnten schon Schreckliches in Anbetracht der Menschenmassen. Aber auch hier zeigte sich wieder, wie bequem die Leute teilweise sind, denn 99 % der Zugpassagiere stieg am Ende der Tour in einen Bus, um wieder zurück in die Stadt zu fahren, oder nahm den nächsten Zug retour. Laufen? Um Gottes Willen – man kann doch durch den Park schließlich fahren!

Uns konnte es nur recht sein, so waren wir am südlichsten Postamt Argentiniens fast die Einzigen. Nach einem kurzen Plausch mit dem Premier der Redonda-Insel (auch ihn kannten wir schon aus besagtem Fernsehbericht und hatten so einen perfekten Gesprächseinstieg) starteten wir unsere kleine Wanderung entlang des Beagle-Kanals und später der Bucht Lapataia. Die Anzahl der Weggefährten war hier wirklich überschaubar und so genossen wir Ruhe und Landschaft.

An unserem Endpunkt, dem Lago Roca, wurde es dann lebendiger. Er ist wohl Ausflugsziel Nummer 1 für die Einheimischen und am Ufer tummelte sich Grüppchen für Grüppchen, überall roch es nach Asado, und wir fühlten uns wie an heimischen Baggerseen. So schmissen auch wir erstmal Schuhe und Shirts von uns, gönnten unseren Füßen eine kleine Pause im kühlen Nass des Lagos und ließen uns die Sonne auf die Nase brutzeln.

Kurzum: Wir hatten ein rundum gelungenen Tag!

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